A futuristic, glowing compass with a transparent dome displays a blue and pink needle, set on a dark background.
Milena Suter

Vom Buzzword zur Strategie: Der KI-Kompass als Erfolgsschlüssel

Milena Suter UX Designer

14.01.2026 • 5 minutes reading time

Wie gelingt die Implementierung von KI im eigenen Unternehmen?

Die Technologie ist vielversprechend, der Wettbewerb bewegt sich und somit steigt auch der Druck, eine eigene KI-Lösung auf den Markt zu bringen.

Doch eine zentrale Frage bleibt offen: Was genau soll diese KI eigentlich tun? 

Sobald die ersten konkreten Gespräche stattfinden, tauchen Unsicherheiten auf, denn oft fehlt eine “gemeinsame Sprache", um Ambitionen verständlich auszudrücken. Teams sprechen über KI, aber jeder meint etwas anderes. So entsteht in dieser frühen Phase ein diffuses Gefühl der Orientierungslosigkeit – nicht unbedingt wegen fehlenden Wissens, sondern aufgrund fehlender gemeinsamer Begriffe. 

Und wenn ein Projekt unter diesen Vorzeichen startet, läuft es oft in Schlangenlinien: widersprüchliche Erwartungen, zu viele Richtungswechsel, teure Iterationen und ein wachsendes Risiko, dass die Lösung am Ende weder nutzerzentriert noch markenkonform ist. Das bestätigt der Bericht des Massachusetts Institute of Technology (MIT): 95% aller KI-Projekte scheitern bei der Umsetzung und erzielen keine Erträge. (Quelle)

Unser KI-Kompass als Schlüssel

Damit Projekte gar nicht erst in diese Situation rutschen, haben wir bei Ergosign den KI-Kompass entwickelt. Bevor wir mit einem Kunden in die Ideation eines KI-Projekts einsteigen, setzen wir uns in einer kleinen Runde zu einem strategischen Gespräch mit ihm zusammen.

Es ist kein technisches Audit, keine aufwendige Analyse und kein KI-Assessment. Sondern ein strukturiertes, leicht zugängliches Gespräch, das Klarheit schafft, bevor Entscheidungen getroffen werden.

Der KI-Kompass bricht KI-Anwendungen, die noch ganz am Anfang stehen, auf acht strategische Dimensionen herunter. Doch die eigentliche Stärke unseres Kompasses liegt nicht in den Dimensionen selbst, sondern darin, dass wir Teams befähigen, diese Dimensionen gemeinsam zu konfigurieren.

Bereits bei der ersten Skala wird spürbar: Teams müssen Stellung beziehen. Erwartungen, die vorher unausgesprochen waren, kommen auf den Tisch. Es wird diskutiert, welche Rolle eine KI einnehmen soll – und wo ihre Grenzen liegen müssen.

Durch dieses gemeinsame Durchdenken entsteht Orientierung an einem Punkt, an dem sonst oft nur Bauchgefühl herrscht. Noch bevor ein erster Screen oder ein technisches Konzept entsteht, entwickelt das Team ein gemeinsames Verständnis davon, wie sich die KI verhalten soll und welche Art von System überhaupt angestrebt wird. Dieser frühe Abgleich verhindert kostspielige Schleifen, Richtungswechsel oder inkonsistente Entscheidungen im späteren Produktprozess.

Was dabei besonders wertvoll ist: Die Gespräche funktionieren ohne jede technische Vorkenntnis. Sie schaffen einen Raum, in dem Geschäftsführung, Produkt, Design, Technik und Markenführung erstmals dieselbe Sprache finden. Das macht KI nicht nur greifbarer, sondern verwandelt ein abstraktes Technologiethema in ein konkretes Produktkonzept.

Wenn diese Sprache entsteht, lösen sich Missverständnisse auf, Zielkonflikte werden sichtbar und können bewusst adressiert werden. Die Produktvision wird klarer und realistischer. Und die weitere Entwicklung gewinnt Tempo – nicht aus Hektik, sondern aus Klarheit. Ein definiertes KI-Profil verkürzt Ideation, Prototyping und Abstimmungen erheblich, weil von Beginn an klar ist, wohin sich das Produkt bewegen soll. Aus Unsicherheit wird eine gemeinsame Vision.

Ein Praxisbeispiel aus der Automobilindustrie

Um zu zeigen, wie sich das in der Praxis anfühlt, betrachten wir ein Beispiel aus der Mobilitätsbranche: Ein Automobilhersteller plant eine KI-Funktion, die Fahrer:innen bei Wartung, Fehlermeldungen und Inspektionen unterstützt. Die Idee klingt klar – ein „Service Assistant“, der proaktiv Hinweise gibt und Bedienungen erleichtert.

Im KI-Kompass-Gespräch zeigte sich jedoch schnell: Obwohl alle dieselbe Idee formuliert hatten, meinten sie etwas völlig Unterschiedliches.

Das Produktteam wollte eine KI, die autonom Vorschläge macht und Probleme aktiv erkennt. Marketing träumte von einer warmen, personalisierten Interaktion – ein emotionaler Assistent im Markenstil. Der Sicherheitsbereich bestand auf strengen Grenzen: keine Automatisierung während der Fahrt, volle Transparenz, maximale Nachvollziehbarkeit. Engineering sah technische Limitierungen, besonders bei Echtzeitdaten und Erklärbarkeit. Formal sah das Projekt klar aus. Im Gespräch wurde deutlich: Es gab vier völlig unterschiedliche Produktvisionen.

Durch das Konfigurieren der Skalen entstand dann jedoch ein gemeinsames Bild. Die KI sollte kein autonomer Co-Pilot werden und auch keine emotionale Figur verkörpern. Stattdessen formte sich die Vision eines situationsbewussten Service-Guides, der:

  • nur in sicheren Kontexten proaktiv wird

  • alle Empfehlungen mit Quellen belegt

  • keine Entscheidungen trifft

  • sachlich kommuniziert

  • klar innerhalb gesetzlicher Sicherheitsgrenzen operiert

Diese Klarheit hätte kein Briefing-Dokument der Welt erzeugt. Sie entstand durch das gemeinsame Durchlaufen der Skalen – durch das Sprechen über Grenzen, Ambitionen, Sorgen und Erwartungen.

Warum der KI-Kompass wirkt

Unsere Erfahrung – und auch zahlreiche Veröffentlichungen von Google, IBM, Microsoft und unabhängigen Research-Gruppen – zeigen immer wieder: KI-Projekte scheitern selten an der Technologie. Sie scheitern an etwas viel Menschlicherem: unklaren Anforderungen, fehlender gemeinsamer Sprache und unterschiedlichen Erwartungshaltungen zwischen Business, Design, Legal und Tech. Oft beginnen Teams hochmotiviert, nur um Wochen später festzustellen, dass alle von etwas anderem sprechen.

Nach mehreren Iterationen und im Austausch mit Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen wie IT Engineering, Data Science, Entwicklern und Projektmanagement sowie UX-Designern geht unser KI-Kompass genau dieses Problem an. Er übersetzt abstrakte KI-Konzepte in konkrete Entscheidungen und bringt so alle Stakeholder auf eine gemeinsame Linie. Er legt Leitplanken fest, bevor Ressourcen investiert werden, und verhindert teure Umwege oder Fehlentwicklungen. Noch bevor der erste Workshop beginnt, entsteht ein gemeinsames KI-Profil – ein klares Bild davon, wie das System funktionieren und wirken soll und welche Richtung es bewusst nicht einschlagen darf.

Was bleibt, ist kein nebulöser Wunsch nach „irgendeinem KI-Mehrwert“, sondern strategische Orientierung: ein Projekt, das bewusst, fokussiert und mit einer geteilten Vision startet.

Was am Ende steht

Der KI-Kompass liefert kein fertiges Konzept. Aber er liefert etwas, das in dieser frühen Phase weit wertvoller ist: ein klar beschriebenes KI-Systemprofil. Ein gemeinsames Bild davon, welche Rolle die KI übernehmen soll, wie viel Einfluss sie auf die Nutzer hat, wie transparent sie sein muss und welche Grenzen sie nicht überschreiten darf.

Dieses Profil ist strategisch formuliert und für alle verständlich. Es bildet den idealen Startpunkt für jeden AI-Ideation-Workshop – und die Grundlage für ein verantwortungsvolles, nutzerzentriertes und markenkonformes KI-Produkt.

Der grösste Fehler in KI-Projekten ist, zu früh mit der Umsetzung zu beginnen. Der zweitgrösste: ohne gemeinsame Sprache zu starten.

Wenn Sie Ihr KI-Projekt nicht dem Zufall überlassen möchten und mit Orientierung statt Bauchgefühl starten wollen: Lassen Sie uns gemeinsam Ihren KI-Kompass ausrichten.

About the Author

Milena Suter gestaltet als UX Designerin im AIx Core Team von Ergosign KI-gestützte Lösungen – von der Forschung bis zur praktischen Anwendung. Mit ihrer Begeisterung für AI und UX schafft sie innovative Nutzererlebnisse und treibt die Zukunft von Design bei Ergosign aktiv voran.

Überlassen Sie ihr nächstes KI-Projekt nicht dem Zufall!

Orientierung schafft Klarheit – besonders beim Thema KI. Lassen Sie uns Ihren KI-Kompass ausrichten. Ich freue mich auf ein unverbindliches Gespräch.

Milena Suter

Milena Suter

UX Designer